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In unserer Lebenswelt sind farbige Erscheinungen alltägliche Erfahrungen. Durch ihre ständige Präsenz teilt Farbe das Los des Allgegenwärtigen. Wir sehen ihre Existenz zunächst als eine Selbstverständlichkeit an. Nicht selten verbinden wir damit eine Unbekümmertheit im Umgang, die schnell auch in Unaufmerksamkeit oder Geringschätzung mündet. Nur zu selten machen wir uns bewusst, wie wertvoll Farbe für uns ist. Wie sehr wir jedoch auf Farbe angewiesen sind, merken wir gewöhnlich erst, wenn sie uns einmal fehlt, besonders an grauen Tagen. Licht und mit ihm die Farbe gehören zu unserem Leben, mehr noch: Wir brauchen sie existentiell. Farbe ist eines unserer elementaren »Lebensmittel«. Ähnlich wie die Luft, die wir atmen, nehmen wir sie fast unbewusst auf. Und wie wir einen frischen Lufthauch angenehm spüren, empfinden wir auch die uns umgebenden Farben manchmal besonders intensiv, anmutig oder prächtig (Himmel, Grün, Blumen...). Wie wir beim Atmen auch unangenehme Empfindungen – wie abstoßende Gerüche – wahrnehmen, kann dies im Bereich farbiger Sinneseindrücke ebenfalls geschehen. Unnatürlich schreiende oder fremd wirkende Farben lassen uns in der Regel eine ablehnende Haltung einnehmen. Derartige Zusammenhänge erscheinen überall dort besonders wichtig, wo der Mensch für sich selbst plant und gestaltet. Dies betrifft in erster Linie die Schaffung seiner »zweiten« und »dritten Haut«, d.h. seiner Kleidung und auch seiner Behausung. Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, ein vorbildlicher Arbeitsplatz, ein festlich gedeckter Tisch und vieles mehr unterliegen einer solchen Bewertung. So wie wir Farbe als eine Naturgegebenheit hinnehmen, braucht Farbe als Gegenstand alltäglicher Wahrnehmung und Gestaltung mit Recht unsere Aufmerksamkeit. Dies insbesondere, damit wir ihre Möglichkeiten erkennen und in unser Handeln besser einbringen können. Deshalb soll hier zunächst anschaulich werden, wie sinnvoll Farbe für uns ist, welche vielfältigen Funktionen sie gemeinhin für uns zu erfüllen vermag, wie umfänglich sie ein Erfahrungs- und Kulturgegenstand ist. Neben Farbe als visueller Erscheinung schlechthin geht es dabei um Farbe als Naturphänomen, als Orientierungsmittel, sinnliche Größe, Ausdrucksmittel und Lebenshilfe.
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